Pauline M’barek: Semiophoren, Ausstellungsansicht Thomas Rehbein Galerie, Köln Courtesy: Thomas Rehbein Galerie, Köln and the artist
Pauline M’barek: Semiophoren, Ausstellungsansicht Thomas Rehbein Galerie, Köln Courtesy: Thomas Rehbein Galerie, Köln and the artist

Vor und hinter der Absperrung

Beitrag vom | Tags: | Tags: #PaulineM´barek #QD2014 #ThomasRehbein

Ein Besuch der Ausstellung „Semiophoren“ der Künstlerin Pauline M´barek
Widerspenstig schlängelt sich ein Absperrband in hohen Wellenlinien zur Mitte des Raumes und bäumt sich erhobenen Hakens auf. In galanter Linie teilt das Band den Ausstellungsraum, schneidet ihn ein und macht den Raum erst als solchen sichtbar. Eine Geste, die das Eigenleben des Bandes zeigt, das, wenn es schlaff nach unten hängt, von Seite zu Seite gespannt, eine Trennung schafft. Einen Bereich vor und hinter der Absperrung mit der entsprechenden Kategorisierung von einem betretbaren Bereich und einem unbetretbaren, von Exponat zum Besucher. Das Begrenzungsseil entpuppt sich in seiner Widerspenstigkeit als Akteur gegen Grenzziehungen und Etablierung von Zuschreibungen. Als Utensil des Ausstellungswesens und Museums hat es die Künstlerin Pauline M´barek in einer metallenen Fassung in ihre Ausstellung “Semiophoren” integriert. Die Künstlerin setzt sich in ihrer künstlerischen Forschung mit der Thematik des Sammelns und der Musealisierung auseinander. Die 2013 entstandene Arbeit „Rope“ zeigt deutlich ihr Feld auf. Wertigkeit wird nicht nur durch Kriterien der Untersuchung erzeugt, sondern auch durch die Präsentation von Artefakten.

Ihre Ausstellung hat Pauline M´barek mit „Semiophoren“ betitelt, eine weitere Ebene, die ihre Beschäftigung mit der Dekontextualisierung und Bedeutungsgenerierung von Artefakten zeigt. Die Bezeichnung „Semiophoren“ stammt vom Historiker Krzysztof Pomian, der Artefakte, die gesammelt werden als Zeichenträger beschreibt, die aus ihrem ursprünglichen Kontext entfernt wurden. Sie verlieren diesen trotz Musealisierung jedoch nicht und kommunizieren zwischen beiden Polen, dem unsichtbaren und dem sichtbaren. Dies reiht sich ein in das, was alle gezeigten Werke der Ausstellung verbindet. Das Aufzeigen von Mechanismen der musealen Ausstellungstruktur, Deutungs- und Machtzuschreibungen. Zugleich tritt deutlich hervor, dass ein Werk nie nur sichtbar ist, wie es schon Marcel Duchamp hinausposaunte, sondern auch den Kopf anregt und Zuschreibungen veranlasst.

Pauline M`barek arbeitet zurzeit an der Ausstellung Pauline M´barek – Der berührte Rand, die ab dem 5. April im Rahmen der Quadriennale Düsseldorf 2014 im KIT – Kunst im Tunnel zu sehen ist. Bis zum 30. November sind ihre Werke in der Ausstellung Semiophoren in der Thomas Rehbein Galerie, Aachener Straße 5, 50674 Köln zu sehen.