NetzQD2014

Mit Applaus geht es auf die Quadriennale zu…

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Wir gratulieren Harry Walter, der heute mit dem Friedlieb Ferdinand Runge – Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung ausgezeichnet wird. Neben dem Sprach- und Bildkünstler Harry Walter erhielten bereits Harald Szeemann, Henning Ritter und Peter Weibel den Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung. Für den Katalog zur Quadriennale Düsseldorf 2014 verfasste Harry Walter Texte zum Begriffs-Netzwerk, das bei der Konzeption des Festivals eine tragende Rolle spielt. Durch die 11 übergeordneten Begriffe wie „Experiment“, „Verwandlung“ und „Utopie“ rücken die verschiedenen Ausstellungen stärker zusammen und es werden verbindende Elemente geschaffen, die in den Ausstellungen selbst, in der Vermittlung und im Katalog sichtbar werden. Wir haben Harry Walter gefragt, wie er dieses Netzwerk auf ganz eigene Weise im Quadriennale-Katalog umsetzt:

Wie lassen sich die elf für das Quadriennale-Konzept maßgeblichen Begriffe Neugier, Aufbruch, Experiment, Fortschritt, Feuer, Himmel, Licht, Erde, Rückzug, Utopie und Verwandlung so aufgreifen und arrangieren, dass sie sowohl untereinander wie auch mit den verschiedenen, in diesem Katalog repräsentierten Ausstellungen kommunizieren? Und wie verteidigt man den Eigensinn dieser Begriffe – in symbolischer Allianz mit den gezeigten Kunstwerken – gegen ihr Verbrauchtwerden in Konzepten?

Es gehört zwar von jeher zu den Freiheiten des Denkens und der Kunst, alles mit allem in Verbindung bringen zu können – ungeachtet der gerade herrschenden Einteilungen des als Tradition, Bürokratie, Theologie, Ideologie oder Wissenschaft organisierten Wissens; doch ist die damit korrespondierende Erfahrung alles irgendwie mit allem, dass zusammenhängt, heute, im Zeitalter der Vernetzungseuphorie und der automatisierten Recherchen, fast zu einer trivialen geworden. Wenn sich mit jeder Suchmaschine in kürzester Zeit die abgelegensten Dinge miteinander in Verbindung bringen lassen, ist die Gefahr groß, im Gespinst der sich unendlich überkreuzenden Fäden den möglichen Fang gar nicht mehr zu erkennen.

Von daher bot es sich an, auf die Netzmetapher erst einmal zu verzichten und nach einer Methode zu verfahren, die Robert Musil in seinem Essay „Das hilflose Europa oder Reise vom Hundertsten ins Tausendste“ von 1922 so zusammengefasst hat:

Ich bin nicht nur überzeugt, dass das, was ich sage, falsch ist, sondern auch das, was man dagegen sagen wird. Trotzdem muss man anfangen, davon zu reden. Die Wahrheit liegt bei einem solchen Gegenstand nicht in der Mitte, sondern rundherum wie ein Sack, der mit jeder neuen Meinung, die man hineinstopft, seine Form ändert, aber immer fester wird!“

Dieses etwas primitiv anmutende Verfahren hat den Vorteil, dass es vom Problem des Anfangens entlastet und darauf vertraut, dass sich das in den Sack gestopfte Material im Kopf des Lesers wie von selbst miteinander verbindet.

Harry Walter